Lateinamerika digitalisiert sich rasant. Angreifer sind noch schneller.

In ganz Lateinamerika zeichnet sich ein Muster ab, das Sicherheitsteams mit regionaler Verantwortung nicht ignorieren dürfen. Die Region digitalisiert sich in rasantem Tempo – Regierungen verlagern Dienste ins Internet, Finanzsysteme werden mobil, Unternehmen vernetzen sich über Grenzen hinweg schneller als fast jede andere Region der Welt.

Wichtige Erkenntnisse

  1. Ransomware-Vorfälle steigen in Lateinamerika sprunghaft an. Ransomware-Breaches in Lateinamerika stiegen innerhalb eines Jahres um 78 % – von über 250 im Jahr 2024 auf über 450 im Jahr 2025. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Ransomware-Varianten fast verdoppelt, von 48 auf 79. Allein Brasilien war für rund 30 % aller Opfer in der Region verantwortlich, so der Latin America Cyber Threat Landscape Report von Intel 471. Besonders betroffen waren Konsumgüter, Energie, Landwirtschaft und professionelle Dienstleistungen.
  2. Häufigkeit und Kosten von Cyberangriffen. Unternehmen in Lateinamerika sehen sich im Schnitt 2.640 Cyberangriffen pro Woche gegenüber – das sind 35 % mehr als der weltweite Durchschnitt – mit jährlichen Kosten von über 90 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2025 wurde ein Anstieg der gemeldeten Vorfälle um 108 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, was die Region zur am schnellsten wachsenden Cyberbedrohungslandschaft weltweit macht.
  3. Initial Access Broker und Einstiegsmethoden. Über 200 Initial Access Broker griffen 2025 Unternehmen in 17 Ländern der Region an. Besonders betroffen waren der öffentliche Sektor, Energie und Telekommunikation. Am häufigsten erfolgte der Zugang über kompromittierte Zugangsdaten, und am meisten angegriffen wurden Remote-Access-Portale von Unternehmen – Muster, die direkt auf die Risiken für die Datensicherheit durch Drittparteien in LATAM-Lieferketten hinweisen.
  4. Digitale Transformation überholt Sicherheitsreife. Die rasante digitale Transformation Lateinamerikas übertrifft die Fähigkeit, ausgereifte Sicherheitskontrollen, Governance-Frameworks und rechtliche Durchsetzungsmechanismen zu etablieren. Die OAS-Bewertung zur Cybersecurity-Reife zeigt, dass die meisten Länder auf oder unter der zweiten Reifestufe stehen. Es bestehen erhebliche Lücken beim Schutz kritischer Infrastrukturen, bei der Software-Absicherung und bei der Einführung von Cyberversicherungen – strukturelle Schwachstellen, die keine einzelne Regulierung beheben kann.
  5. Lateinamerika als Exportzentrum für Cyberkriminalität. Die Region hat sich vom Ziel zum Exportzentrum für Cyberkriminalität entwickelt. Ursprünglich für lokale Märkte entwickelte Banking-Trojaner und Betrugsschemata sind inzwischen in Nordamerika und Europa im Einsatz und belegen die technische Reife der LATAM-Cyberkriminalitätsökosysteme. Einige dieser Malware-Varianten sind seit über einem Jahrzehnt aktiv – mit nur geringen Störungen oder Strafverfolgung.

Doch die für den Schutz dieser neuen digitalen Angriffsfläche notwendigen Sicherheitsinfrastrukturen, Governance-Frameworks und rechtlichen Durchsetzungsmechanismen halten nicht Schritt. Die Angreifer wissen das.

Der Latin America Cyber Threat Landscape Report von Intel 471, veröffentlicht im Januar 2026, liefert einen der umfassendsten Einblicke in diese Lücke. Die Erkenntnisse sind nicht theoretisch, sondern basieren auf einem Jahr Vorfallserfassung, Undercover-Monitoring und Analyse von Angreifern in der gesamten Region. Die Zahlen erzählen eine Geschichte, die die Risikoeinschätzung für LATAM grundlegend verändern sollte.

78 % mehr Ransomware – und das ist nur die Überschrift

Ransomware-Vorfälle in Lateinamerika stiegen von über 250 im Jahr 2024 auf über 450 im Jahr 2025 – ein Anstieg um 78 % innerhalb eines Jahres. Die Zahl der aktiven Ransomware-Varianten hat sich fast verdoppelt, von 48 auf 79. Die aktivsten Gruppen – Qilin, The Gentlemen, SafePay, Akira und Inc. – trafen alle wichtigen Sektoren, besonders Konsum- und Industrieprodukte, Energie, Landwirtschaft und professionelle Dienstleistungen.

Brasilien verzeichnete rund 30 % aller Ransomware-Opfer in der Region, gefolgt von Mexiko mit 14 % und Argentinien mit 13 %. Doch die geografische Verteilung ist nur ein Teil der Geschichte. Die Branchenanalyse zeigt, dass Einzelhandel, Landwirtschaft und Gesundheitswesen besonders betroffen waren – Sektoren, in denen Ransomware nicht nur Geschäftsabläufe stört, sondern auch Lieferketten, Patientenversorgung und das öffentliche Vertrauen gefährdet.

Parallel zum Ransomware-Anstieg verfolgte Intel 471 über 200 Initial Access Broker, die 2025 Unternehmen in 17 LATAM-Ländern ins Visier nahmen. Diese Broker sind die Lieferkette der Cyberkriminalität – sie kompromittieren Netzwerke und verkaufen den Zugang an Ransomware-Akteure, Spionagegruppen und Datendiebe. Am häufigsten missbrauchten sie kompromittierte Zugangsdaten, und am stärksten angegriffen wurden Remote-Access-Portale von Unternehmen. Für Unternehmen mit Lieferanten, Partnern oder Tochtergesellschaften in der Region sind diese Zahlen ein direkter Indikator für das Drittparteienrisiko.

2.640 Angriffe pro Woche – und die passende Governance

Eine Zahl verdient besondere Aufmerksamkeit: Unternehmen in Lateinamerika sind im Schnitt 2.640 Cyberangriffen pro Woche ausgesetzt – 35 % mehr als der weltweite Durchschnitt von 1.955. Im ersten Quartal 2025 allein gab es einen Anstieg der gemeldeten Vorfälle um 108 % gegenüber dem Vorjahr – laut Bericht ein kritischer Wendepunkt.

Die Kosten steigen. Die jährlichen Ausgaben für Cybersicherheit in der Region übersteigen 90 Millionen US-Dollar – getrieben durch die rasante Digitalisierung, anhaltende Sicherheitslücken in Cloud-Umgebungen und den zunehmenden Einsatz von Automatisierung bei Angriffen.

Doch die strukturelle Dimension macht die Situation nicht nur teuer, sondern gefährlich. Die Organisation Amerikanischer Staaten führte 2025 eine umfassende Bewertung der Cybersecurity-Reife durch und stellte fest, dass die meisten Länder der Region auf oder unter der zweiten von fünf Reifestufen stehen. Besonders gravierend sind die Lücken beim Schutz kritischer Infrastrukturen, bei der Software-Absicherung, bei der Einführung von Cyberversicherungen und bei der Marktentwicklung. Kurz gesagt: Die Region vernetzt alles mit dem Internet, während die Sicherheitsfundamente dafür noch im Aufbau sind.

Vier Modelle der Cybersecurity-Governance – und ihre Bedeutung für grenzüberschreitende Aktivitäten

Ein besonders nützlicher Beitrag des Intel 471-Berichts ist die Kartierung der unterschiedlichen Ansätze der Länder in der Region zur Cybersecurity-Governance. Basierend auf Forschung des Deutschen Instituts für Globale und Regionale Studien identifiziert der Bericht vier Modelle.

Sicherheitsorientierte Länder wie Kolumbien, Ecuador und Paraguay setzen auf Prävention durch nationale CERTs und militärische Cyber-Einheiten. Datenschutzorientierte Länder wie Costa Rica und Panama haben DSGVO-konforme Datenschutzgesetze geschaffen. Kontrollorientierte Länder wie Kuba, Nicaragua und Venezuela setzen auf staatliche Kontrolle über Daten, einschließlich Zensur. Und hybride Modelle – angewandt von Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko und Uruguay – kombinieren Datenschutz mit Cyber-Resilienz und selektiver Inhaltsregulierung.

Für multinationale Unternehmen ist diese Fragmentierung eine Governance-Herausforderung. Eine in Costa Rica konforme Datenverarbeitung kann in Kolumbien unzureichend und in Venezuela sogar verboten sein. Der Bericht prognostiziert, dass hybride Modelle zunehmen werden. Bis dahin müssen Unternehmen ihre Compliance-Pflichten jedoch länderspezifisch abbilden – und dürfen sich nicht auf eine regionale Strategie verlassen.

Die Vorfälle, die die Bedrohung definieren

Der Bericht dokumentiert mehrere Vorfälle aus 2025, die das Ausmaß und die Vielfalt der Bedrohungslage verdeutlichen. In Brasilien kompromittierte der größte Cyberangriff auf das Finanzsystem des Landes einen Fintech-Anbieter, der mit dem Pix-Echtzeit-Zahlungssystem der Zentralbank verbunden war. Der Angriff nutzte Insider-Zugangsdaten und führte zur Umleitung von rund 148 Millionen US-Dollar von acht Finanzinstituten. Später im Jahr meldete eine andere Ransomware-Gruppe einen weiteren Angriff auf denselben Anbieter.

In Paraguay beanspruchte die Brigada Cyber PMC-Gruppe den Diebstahl von mehr als 7 Millionen Bürgerdatensätzen aus drei Regierungssystemen und forderte rund 7,4 Millionen US-Dollar Lösegeld. In Argentinien wurde ein Gehaltsabrechnungssystem der Flughafensicherheit kompromittiert, sodass Angreifer kleine Beträge direkt von Mitarbeitergehältern abzweigen konnten. In Panama kompromittierte eine Ransomware-Gruppe eine Regierungsbehörde und exfiltrierte über 1,5 Terabyte an Daten.

Jeder dieser Vorfälle zeigt eine andere Facette des Problems: Insider-Bedrohungen, staatliche Datenexponierung, Angriffe auf kritische Infrastrukturen und den Finanzbetrug, der in der Region endemisch geworden ist.

Das Exportproblem: Wenn lokale Bedrohungen global werden

Vielleicht die folgenreichste Erkenntnis des Berichts: Lateinamerika ist nicht mehr nur Ziel, sondern Exportzentrum für Cyberkriminalität.

Banking-Trojaner, ursprünglich für lokale Finanzinstitute entwickelt – Grandoreiro, Mekotio, Guildma, Ousaban – sind inzwischen in Europa, Afrika, Südasien und Ozeanien aktiv. Grandoreiro allein zielt mittlerweile auf mehr als 1.500 Banken in über 60 Ländern. Gegen LATAM-Bevölkerungen optimierte Betrugsschemata werden gegen Organisationen in Nordamerika und Europa wiederverwendet. Dieser länderübergreifende Spillover zeigt Cyberkriminalitätsökosysteme, die seit über einem Jahrzehnt mit nur geringer Störung agieren.

Für Unternehmen mit Hauptsitz außerhalb der Region bedeutet das: Die Bedrohung beschränkt sich nicht auf LATAM-Standorte. Malware, Betrugstechniken und kompromittierte Zugangsdaten aus der Region zielen aktiv auf Ihre Kunden, Ihre Mitarbeiter und Ihre Finanzsysteme – unabhängig davon, wo Sie ansässig sind.

Was Kiteworks-Kunden wissen sollten

Die Erkenntnisse von Intel 471 stimmen eng mit den Daten aus dem Kiteworks 2026 Data Security and Compliance Risk Forecast Report und dem Kiteworks 2026 Data Sovereignty Report überein. Die im Forecast Report dokumentierte Containment-Lücke – 63 % der Unternehmen können keine Zweckbindung für ihre Tools durchsetzen, 60 % können ein fehlverhaltendes System nicht schnell abschalten – ist genau das Governance-Defizit, das die von Intel 471 beschriebenen Bedrohungen ermöglicht.

Für Unternehmen mit Aktivitäten, Lieferketten oder Partnern in Lateinamerika ergibt sich aus der Kombination aus zunehmender Bedrohungsaktivität und uneinheitlicher Regulierung ein spezifischer Katalog an Anforderungen an die Datensicherheit. Sensible Inhalte, die grenzüberschreitend übertragen werden, müssen auf Infrastrukturebene gesteuert werden – nicht allein durch Richtliniendokumente. Die Verwahrung von Verschlüsselungsschlüsseln muss in der jeweiligen Jurisdiktion erfolgen. Audit-Trails müssen unveränderbar und exportierbar sein. Der Zugriff von Drittparteien muss zweckgebunden, zeitlich begrenzt und protokolliert werden.

Kiteworks stellt diese Funktionen über ein Private Data Network bereit, das E-Mail, Filesharing, Managed File Transfer, SFTP, Web-Formulare und Drittanbieter-Integrationen unter einer zentralen Policy-Engine vereint. Für Unternehmen, die sich in der fragmentierten Governance-Landschaft Lateinamerikas bewegen – wo eine in einem Land konforme Datenverarbeitung im nächsten Land unzureichend oder verboten sein kann – macht dieser Plattformansatz den Unterschied zwischen deklarierter Compliance und nachweisbarer Kontrolle.

Die Bedrohung ist da. Die Governance-Lücke ist die Variable.

Die Einschätzung des Intel 471-Berichts ist eindeutig: Eine signifikante Risikoreduzierung in Lateinamerika ist kurzfristig unwahrscheinlich. Gesetzliche Durchsetzung, öffentlich-private Zusammenarbeit und regionaler Informationsaustausch bleiben langsame Prozesse. Die Innovationskraft der Cyberkriminellen – insbesondere durch Automatisierung und Skalierung – übertrifft all diese Entwicklungen.

Für Sicherheitsverantwortliche ist die Schlussfolgerung klar: Sie können nicht warten, bis die Governance in der Region ausgereift ist, bevor Sie Ihre Daten dort schützen. Sie müssen Ihre eigene Governance mitbringen – Architekturkontrollen, die Datenresidenz durchsetzen, Zugriffe protokollieren, Zwecke begrenzen und Beweise auf Abruf liefern – unabhängig davon, wo die Daten liegen oder welches Regulierungsmodell gilt. Unternehmen, die das tun, können sicher in einer der am schnellsten wachsenden digitalen Volkswirtschaften der Welt agieren. Die anderen werden weiterhin von der nächsten 148-Millionen-Dollar-Panne lesen – und sich fragen, ob sie als Nächstes betroffen sind.

Häufig gestellte Fragen

Unternehmen mit Lieferkettenpartnern in Brasilien und Mexiko sind besonders gefährdet durch Initial Access Broker, die kompromittierte Zugangsdaten für Remote-Access-Portale verkaufen, durch Ransomware-Gruppen, die die Zahl der LATAM-Breaches 2025 um 78 % erhöhten, und durch Banking-Trojaner, die von regionalen Finanzinstituten auf internationale Ziele ausgeweitet wurden. Brasilien war für 30 % aller Ransomware-Opfer und 35 % aller Access-Broker-Ziele in der Region verantwortlich.

Die grenzüberschreitende Compliance in Lateinamerika wird durch vier verschiedene Governance-Modelle erschwert: sicherheitsorientiert (Kolumbien, Ecuador), datenschutzorientiert nach DSGVO (Costa Rica, Panama), kontrollorientiert mit Zensur (Kuba, Venezuela) und hybride Modelle (Brasilien, Chile, Mexiko, Argentinien). Eine in einem Land konforme Datenverarbeitung kann im nächsten unzureichend oder sogar verboten sein. Unternehmen müssen daher ihre Pflichten länderspezifisch abbilden, statt eine einheitliche regionale Strategie zu verfolgen.

CISOs sollten dem Vorstand darlegen, dass Unternehmen in der Region 2.640 Cyberangriffen pro Woche ausgesetzt sind (35 % über dem globalen Durchschnitt), Ransomware-Breaches 2025 um 78 % gestiegen sind und über 200 Initial Access Broker die Region aktiv ins Visier nehmen. Die Umleitung von 148 Millionen US-Dollar aus Brasiliens Finanzsystem durch Insider-Zugangsdaten zeigt, welches finanzielle Ausmaß ein einzelner Vorfall erreichen kann.

Unternehmen, die sensible Daten durch LATAM-Jurisdiktionen verarbeiten, sollten sich nicht auf die regionale Governance-Reife verlassen. Die OAS-Bewertung ergab, dass die meisten Länder auf oder unter der zweiten von fünf Reifestufen stehen. Unternehmen müssen daher Architekturkontrollen implementieren: Verwahrung der Verschlüsselungsschlüssel in der jeweiligen Jurisdiktion, unveränderbare Audit-Trails, zweckgebundener Zugriff und eine zentrale Policy-Engine für alle Datenbewegungen – unabhängig vom lokalen Regulierungsmodell.

Banking-Trojaner aus Lateinamerika – darunter Grandoreiro, Mekotio und Guildma – haben sich von regionalen Zielen auf über 1.500 Banken in mehr als 60 Ländern in Europa, Afrika, Südasien und Ozeanien ausgeweitet. Diese Varianten sind auf lokale Finanzinstitute zugeschnitten und werden über Phishing, WhatsApp und betrügerische App-Downloads verbreitet. Einige sind seit über einem Jahrzehnt mit nur geringer Strafverfolgung aktiv, was die technische Reife der LATAM-Cyberkriminalitätsökosysteme belegt.

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